Hugo Daffner

Der Komponist, Musikwissenschaftler und Mediziner Hugo Daffner wurde am 2. Juni 1882 in München geboren, wo er an der Kgl. Akademie der Tonkunst Klavier bei August Schmid-Lindner und Bernhard
Stavenhagen studierte. Parallel studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität bei Theodor Kroyer
Musikwissenschaft, wo er 1904 mit der Arbeit Die Entwicklung des Klavierkonzerts bis Mozart zum Dr. phil promovierte. Ab 1902 war Daffner Privatschüler von Max Reger. Nach einer Anstellung als Kapellmeister-Volontär am Münchner Hoftheater arbeitete Daffner, zunächst ab 1907 in Königsberg dann ab 1909 in Dresden, als Musik-Redakteur. 1914 nahm Daffner in Berlin ein Medizinstudium auf, das er, unterbrochen vom 1. Weltkrieg, 1920 mit Examen und anschließender Promotion zum Dr. med. abschloss. 1933 kehrte er in seine Heimatstadt München zurück. Nach zwei kurzen Einweisungen in das Polizei-Gefängnis München, wurde Daffner 1936 in das KZ Dachau überstellt, wo er unter ungeklärten Umständen am 26. September 1936 ums Leben kam.
Der Komponist Hugo Daffner hat ein umfangreiches Oeuvre hinterlassen, das bis zur Opus-Zahl 106 reicht. Überblick man sein Werk, zeigen sich einige interessante Aspekte. So sind in den Jahren 1905 bis 1910 mit den Streichquartetten, Klaviertrios, Klavierquintetten und Sonaten fast alle großen Kammermusikwerke entstanden. Diese auffällige Häufung ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass Daffner in dieser Zeit bestrebt war, sich als Komponist zu etablieren. Umso erstaunlicher ist der Umstand, dass Daffner ab 1910, abgesehen von einigen Klavierwerken, fast überwiegend Klavierlieder komponierte. Auffällig sind in diesem Zusammenhang auch zwei Phasen, 1915–1921 und 1924–1935, in denen mutmaßlich keine Kompositionen beendet wurden. Die Rücknahme der kompositorischen Aktivität lässt sich vordergründig auf Daffners Zuwendung zur Medizin erklären. Zudem muss allerdings noch seine psychische Verfassung berücksichtigt werden, da Daffner wahrscheinlich an einer manisch-depressiven Erkrankung litt (vgl. R. Rentz, In: Deutsches Dante-Jahrbuch 84, 2009, S. 8–24). Mit der Vollendung seiner beiden späten Symphonie 1935 scheint Daffner sich wieder intensiv der Komposition zugewandt zu haben. Da lediglich ein Bruchteil der Kompositionen Hugo Daffners im Druck erschienen sind, steht eine angemessene Rezeption seiner Musik noch aus.

Streichquartett Nr. 1, op. 5 (1905). Erstausgabe, herausgegeben von. Carsten Bock.

LMV 493. ISMN 979-0-50324-682-1. Partitur. & Stimmen. 72,00 €.