Heinrich Simbriger

Heinrich Simbriger (*1903 in Aussig an der Elbe, gestorben 1976 in Regensburg) studierte ab 1921 an der Deutschen Akademie für Musik und darstellende Kunst in Prag Komposition bei Fidelio F. Finke und Dirigieren bei Alexander von Zemlinsky sowie an der deutschen Universität in Prag zunächst Medizin, dann Germanistik, Kunstgeschichte, Musikgeschichte und Philosophie. Sein Kompositionsstudium setzte er 1925 in München bei Joseph Haas und ab 1927 in Wien bei Joseph Lechthaler in Kirchenmusik und Joseph Matthias Hauer in Zwölftonmusik fort. 1937 beendete er sein Universitätsstudium in den Fächern Völkerkunde und Musikwissenschaft mit der Dissertation „Gong und Gongspiele“. Danach siedelte er nach Prag über, wo er bei Alois Hába studierte und dann als freischaffender Komponist in Aussig tätig war. 1964 wurde er Hauptsachbearbeiter der Fachgruppe Musik der Künstlergilde e. V. und schließlich Leiter des von ihm 1966 gegründeten Musikarchivs der Künstlergilde in Regensburg, das sich seit 2001 als Depositum der Heinrich-Simbriger-Stiftung am Sudetendeutschendeutschen Musikinstitut (Träger: Bezirk Oberpfalz) in Regensburg befindet.

Als sein theoretisches Hauptwerk betrachtete er selbst die „Komplementäre Harmonik“, für das seine Suche nach einer alternativen Moderne grundlegend war. Sie wurde durch seine Begegnung mit der Zweiten Wiener Schule entscheidend motiviert und bestärkte ihn auch in seinem Interesse an der Musik anderer Völker. Nennenswerte Anregungen schien Simbriger auch bei seinem Prager Lehrer der absoluten Philosophie Christian von Ehrenfels erhalten zu haben, dessen Kultur und Redlichkeit des Denkens er in seiner Selbstdarstellung hervorhob. Mit Hilfe der komplementären Harmonik versuchte Simbriger „eine Brücke von der Vergangenheit in die Zukunft“ zu bauen, eine Synthese von Tradition und Moderne, von Tonalität und atonaler Zwölfordnung zu erreichen“ (Irmgard Freihoffer).