Viktor Ullmann

Viktor Ullmann wurde am 1. Januar 1898 im österreichisch-schlesischen Teschen (Česky Těšin) geboren. Seine Eltern stammten aus jüdischen Familien, waren aber schon vor Viktors Geburt zum römisch-katholischen Bekenntnis konvertiert; der Vater Maximilian Ullmann konnte als assimilierter Jude die Laufbahn eines Berufsoffiziers einschlagen. Viktor Ullmann nahm bereits während seiner Schulzeit musiktheoretischen Unterricht bei dem Schönberg-Schüler Dr. Josef Polnauer. Nach dem „Kriegsabitur“ 1916 folgte der Kriegseinsatz mit Beförderung zum Leutnant und Auszeichnung durch eine Tapferkeitsmedaille. Nach Kriegsende studierte Ullmann - dem Wunsch des Vaters folgend - an der Wiener Universität Jura; er trat aber gleichzeitig in Arnold Schönbergs „Seminar für Komposition“ ein. Das Studium im Schönberg-Seminar wurde trotz der kurzen Dauer (vom November 1918 bis zum Mai 1919) prägend für Ullmanns musikalischen Berufsweg.

Ullmann wirkte von 1920 bis 1927 als Korrepetitor, Chordirektor und Kapellmeister am Neuen Deutschen Theater in Prag unter dem Musikdirektor Alexander von Zemlinsky. Ullmann erarbeitete sich unter Anleitung Zemlinskys das Repertoire der großen klassischen, romantischen und modernen Opern und Konzertwerke und empfing in Prag vielfältige geistige Impulse. Großen Erfolg und internationales Ansehen errang Ullmann mit seinen Kompositionen. Während der Saison 1927/28 leitete Ullmann die Oper im nordböhmischen Aussig. Von 1929 bis 1931 arbeitete Ullmann als Leiter der Bühnenmusik eines Sprechtheaters in Zürich, von 1931 bis 1933 als Leiter einer anthroposophischen Buchhandlung in Stuttgart.

1933 floh er nach Prag, wo er sich ein neue Existenz mit freiberuflicher musikalischer Tätigkeit (als Komponist, Musikpädagoge, durch Mitarbeit an Zeitungen um im Rundfunk und Vorträge) aufbaute. Das Münchner Abkommen (1938) und der Einmarsch der deutschen Truppen in Prag (1939) führten zu einschneidenden Änderungen der beruflichen und familiären Situation. Der Verlust bisheriger Erwerbsquellen wurde durch Ullmanns Tätigkeit in der Prager Jüdischen Kultusgemeinde notdürftig aufgefangen. Am 8. September 1942 wurde Ullmann nach Theresienstadt deportiert. Die SS hatte die von Joseph II. gegründete Garnison in ein Konzentrationslager umfunktioniert. In dieser Stadt mit ursprünglich weniger als 4.000 Einwohnern waren zum Zeitpunkt von Ullmanns Deportation 58.000 Menschen zusammengepfercht – in erster Linie Juden aus Böhmen und Mähren, Österreich und Deutschland. In dieser Atmosphäre des Grauens entwickelte sich ein intensives Kulturleben, das von der SS geduldet wurde – nicht zuletzt, um es zu propagandistischen Zwecken (auch gegenüber dem Ausland) nutzen zu können. So fanden im Rahmen der sogenannten „Freizeitgestaltung“ in Theresienstadt Aufführungen von großen Werken der Musikliteratur statt; gespielt wurden u.a. Mozarts „Zauberflöte“, das Verdi-Requiem und Smetanas „Verkaufte Braut“. Viktor Ullmann gehörte mit Hans Krása, Gideon Klein und Raphael Schächter zu den führenden Persönlichkeiten der musikalischen Sektion der „Freizeitgestaltung“ und leitete u.a. das „Studio für Neue Musik“. Ullmann komponierte für die „Freizeitgestaltung“ über 20 Werke, von denen nur wenige in Theresienstadt aufgeführt wurden. Ullmann wurde am 16. Oktober 1944 mit dem sogenannten „Künstlertransport“ mit den meisten Aktiven der „Freizeitgestaltung“ nach Auschwitz deportiert; wie fast alle anderen Häftlinge dieses Transports wurde Ullmann dort nach der Selektion an der Rampe in den Gaskammern in Auschwitz-Birkenau ermordet. Ullmanns Theresienstädter Nachlass blieb nahezu vollständig erhalten.

Die Sechs jiddischen Lieder sind Teil einer Sammlung von zehn jiddischen und hebräischen Chören (Frauen-, Männer- und gemischter Chor) aus dem Jahr 1943, die als Abschrift Theresienstädter Kopisten im Goetheanum in Dornach überliefert ist.

Im Laurentius-Musikverlag erschienen:

 

Sechs jiddische Lieder (1943) für gemischten Chor a cappella bearbeitet von Wolfram Hader.

LMV 250. Partitur. 14,00 €. LMV 250-01. Chorpartitur. 7,00 €.