Synagogale Musik - ein reiches musikalisches Erbe ist wiederzuentdecken

Das im 19. Jahrhundert in Deutschland entstandene Reformjudentum veränderte auch die Liturgie des synagogalen Gottesdienstes tiefgreifend. Eine Predigt und zusätzliche Gebete in der Landessprache wurden eingeführt, und bei der musikalischen Gestaltung traten nun neben den Kantor auch ein mehrstimmiger Chor und die Orgel. In wenigen Jahrzehnten entstand eine reiche musikalische Kultur, die durch die Shoa weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Der Laurentius-Musikverlag setzt sich seit seiner Gründung im Jahr 2004 dafür ein, dass diese reiche Musiktradition des europäischen Judentums wieder bekannt wird und Eingang in die Musikpraxis findet.

 

In der Reihe „Synagogale Musik von Kantoren aus Böhmen und Mähren“ sind zahlreiche Chorwerke jüdischer Kantoren aus den böhmischen Ländern erschienen sowie die Zwölf Präludien für Orgel von Moritz Deutsch.

 

Der Laurentius-Musikverlag vertreibt auch zwei CDs mit jüdischer Musik aus Böhmen und Mähren. Mit der CD "Sch'ma jisroel" widmet sich das Ensemble Moravia cantat jüdischer Musik aus den böhmischen Ländern. Die Doppel-CD "The Forgotten Voice of the Jeruzalémská Synagogue in Prague" enthält Privat-Aufnahmen des berühmten Chasans Ladislav Moshe Blum aus den Jahre 1978-83.

 

Louis Lewandowski (1821-1894) ist einer der bekanntesten Komponisten synagogaler Musik. Lewandowski komponierte auch einige Instrumentalwerke, zum Großteil für Orgel oder andere Tasteninstrumente. Sieben dieser Werke liegen nun erstmals in modernen Notenausgaben vor.

 

Für den berühmten Wiesbadener Synagogen-Gesangsverein schrieben auch zahlreiche nichtjüdische Komponisten Werke. Im Laurentius-Musikverlag ist ein Zyklus von neun synagogalen Gesängen für gemischten Chor a cappella des aus Riga stammenden Komponisten Nicolai von Wilm erschienen.