Thomas Emmerig

Thomas Emmerig, geboren 1948 in München, studierte Musikwissenschaft und Germanistik in Regensburg und promovierte 1985. In den Jahren 1972–1980 organisierte er die Konzertreihen der Künstlergemeinschaften „Eckiger Kreis Regensburg“ und „Junge Akademie Regensburg“. Von 1978 bis 1997 arbeitete er als Verlagslektor und ist seit 1985 Redakteur der Zeitschrift Musiktheorie. Seit 1999 ist er als selbstständiger Buchhersteller und freier Autor tätig. Als Komponist schrieb Emmerig Kammermusik, Klavier- und Orgelmusik, Liederzyklen für Sologesang a cappella, mit Klavier bzw. mit Instrument oder Instrumentalensemble, Chor- und Orchesterwerke. Als Autor und Herausgeber legte er zahlreiche musikwissenschaftliche Bücher und Aufsätze sowie literarische Veröffentlichungen vor.

Im Laurentius-Musikverlag erschienen:

 

Thomas Emmerig: Missa in dubio für Bariton/Sprecher und vierstimmigen gemischten Chor a cappella (1985-87). 

LMV 248. Partitur. 16,00 € (Staffelpreise: 14,00 € ab 10 Exemplaren, 13,00 € ab 20 Exemplaren, 12,00 € ab 30 Exemplaren)

Aus dem Vorwort zur Missa in dubio:

 

In den 1970er Jahren entstand der Gedanke, eines Tages eine „nicht-liturgische“ Messe zu komponieren. Die Suche nach einem Textautor gestaltete sich schwierig. Die Lösung ergab sich schließlich in der Verbindung mit Peter Coryllis. Dieser, geboren 1909 in Hainichen in Sachsen, war ein sehr fruchtbarer Autor und Herausgeber, der u.a. mit der Publikation seiner „Streitgedichte“ Rost auf Gottes Geboten (1961) und Der Himmel hat keine Gewehre (1962) sowie besonders mit seinem berühmt gewordenen „Vater unser“ aus dem ersten dieser Bände, das „das ursprüngliche Heilandsgebet anklägerisch sinnverkehrt“, wie die Presse einmal schrieb, Zeichen gesetzt hatte. Im Dezember 1979 antwortete er auf eine entsprechende Frage zustimmend. Daraufhin entstand im Verlauf von zwei Jahren der vorliegende Text, dem der Autor auch den Titel gab. Mehrere Jahre gingen ins Land, bis ab Juli 1985 schließlich mit den ersten Teilen die musikalische Komposition begann, die im April 1987 ihren Abschluss erreichte. 1988 haben Autor und Komponist gemeinsam den Text mit Kommentaren veröffentlicht. Peter Coryllis ist 1997 in Sögel im Emsland gestorben. In der Missa in dubio verbinden sich traditionsfreie Aspekte mit Aspekten, die aus der Geschichte der Messkomposition bekannt sind. Abseits jeder Tradition steht zunächst der Titel: Es gibt Messtexte für zahlreiche konkrete Anlässe oder Anliegen bis hin zu Joseph Haydns Missa in tempore belli; eine „Messe in Zweifelsfällen“, eine „Missa in dubio“ aber war bisher nicht vorgesehen. Sie konnte es nicht sein, ging doch jeder Messtext von der Grundlage glaubender Sicherheit als gegebener Voraussetzung aus. Der Text der Missa in dubio weiß von der Möglichkeit glaubender Sicherheit, verzichtet aber ganz bewusst auf dieses Ausgangsprinzip und steht schon deshalb außerhalb jeder Tradition. Dieser Text bezieht vielmehr Stellung zum traditionellen Text, er nimmt einige mögliche Zweifel am traditionellen Text zur Kenntnis und gibt ihnen Raum. Angesichts dieser Textsituation sucht die musikalische Gestalt der Missa in dubio für Bariton/Sprecher und vierstimmigen gemischten Chor a cappella bewusst die Verbindung zur Tradition der Messkomposition. Die Frage des Wort-Ton-Verhältnisses ist so alt wie die mehrstimmige Musik.  Besondere Bedeutung kommt dieser Frage im Falle der Messkomposition zu. Im Zusammenhang der Missa in dubio war im Gegensatz zu jeder traditionellen Messkomposition davon auszugehen, dass dieser Text eben nicht bekannt ist. Daraus ergab sich zwingend, dass die Musik eine dienende Rolle gegenüber dem Text einzunehmen hatte. Die grundlegenden gestalterischen Elemente dieser Musik sind aus dem Charakter des Textes genommen: Wie könnte etwa eine sich strahlend, selbstsicher und rhythmisch aggressiv gebärdende Musik diesem Text mit seinen Fragen, seinem Zweifeln, seinem Suchen entsprechen?! Die Besetzung ist mit einem Bariton-Solisten, der zu singen und zu sprechen hat, und A-cappella-Chor so gewählt, dass sie Aufführungsmöglichkeiten nicht verstellt. Kompositionstechnisch ist die Missa in dubio als Cantus-firmus-Messe angelegt. Als cantus firmus dient die gregorianische Missa in dominicis per annum in den Sätzen „Kyrie“, „Gloria“, „Credo“, „Sanctus“ und „Agnus Dei“. „Aufgesang“, „Zwischengesang“ und „Abgesang“ haben einführende bzw. kommentierende Funktion; die beiden erstgenannten Sätze sind frei gestaltet, in den „Abgesang“ ist das gregorianische Ite missa est als cantus firmus einbezogen. Innerhalb der einzelnen Sätze gibt es eine Reihe von „Erinnerungschören“ auf die Worte „Herr, du, erbarme dich“, „Kyrie eleison“ und „Hosianna“. Ihre Melodien sind aus der gregorianischen Missa in feriis per annum genommen.