Hans-Georg Burghardt

Hans-Georg Burghardt (*7.2.1909) erhielt schon frühzeitig musikalische Unterweisung und studierte in seiner Heimatstadt Breslau Komposition, Musikwissenschaft, Philosophie und bei Prof. Bronislav von Pozniak, einem „Enkelschüler“ Chopins, Klavier. Anfang der 1930er Jahre trat er als Pianist und ersten eigenen Werken auf. Die Verleihung des Schlesischen Musikpreises 1938 machte ihn überregional bekannt. Wesentliche Anregungen erhielt er durch die Künstlerfreundschaft mit dem Maler Gerhard Reisch und der Dichterin Charlotte Dörter-Rehmet, deren Texte er vielfach vertonte. Nach Verlust eines Großteiles seines Werkes bei der Vertreibung aus Breslau am Ende des Krieges fand er 1945 in Halle einen beruflichen Neubeginn. Mit seinem „Brandenburgischen Konzert“ und dem dafür verliehenen Musikpreis wurde er im mitteldeutschen Bereich bekannt. 1952 begann er für 12 Jahre eine Tätigkeit als Dozent für Komposition und Klavierspiel an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und ab 1964 dann an der Martin-Luther-Universität Halle. Außer seiner Lehrtätigkeit trat er selbst in zahlreichen öffentlichen Veranstaltungen solistisch und als Begleiter mit eigenen Kompositionen am Flügel auf. Neben seinem sinfonischen, Klavier- und Liedschaffen u.a. wandte er sich schon in der Breslauer Zeit, aber auch in Jena und Halle dem Instrument Harmonium zu. So entstanden Zyklen von Phantasiestücken, Präludien und Fantasien. Gegenüber der Intimität des Harmoniums empfing er in der monumentalen Ausdrucksart der Orgel neue Aussagemöglichkeiten.

Zunächst an die Spätromantik anknüpfend, fand Burghardt, angeregt durch Hindemith, Reger, Debussy sowie die osteuropäischer Meister Schostakowitsch und Chatchaturjan wesentliche Impulse zum eigenen kompositorischen Stil. Sein besonderes Interesse galt der Suche nach einem neuen und erweiterten Tonsystem. In verschiedenen Veröffentlichungen entwickelte er seine Ideen zur „Umwandlung des Terzbedingten Dur-Moll-Systems“ in ein erweitertes „Sekundsystem“, das einer freien melodischen Entwicklung entgegen kommt und das er in seinen Werken kompositorisch umsetzte. Der „sphärische“ Klang des Harmoniums schien ihm für die Transparenz zum musikalisch „unhörbaren ätherischen“ Raum hin besonders geeignet.

Noch in der letzten Lebenszeit widmete er seine ganze Kraft seinem musikalischen Schaffen. Nach Abschluss seines letzten Opus: Postludien für Harmonium (Orgel) (1989) instrumentierte oder bearbeitete er frühere Werke. Der Komponist verstarb 84-jährig am 14. Dezember 1993 in Halle.

Im Laurentius-Musikverlag erschienen:

 

Hans-Georg Burghardt: Sonate für Violoncello und Klavier, op. 53 (1942). Erstausgabe, herausgegeben von Thomas Emmerig. Mit einem Vorwort von Helmut Scheunchen ("Musik aus dem Archiv". Erstausgaben aus dem Musikarchiv der KünstlerGilde e.V. in Regensburg, Band 1).

LMV 227. 24,00 €.