Friederike Schwarz

Friederike Schwarz wurde am 15. Januar 1910 in Prag geboren. Nach eigenen Angaben stammte sie aus mittellosen Verhältnissen. Ihre musikalische Begabung scheint sehr bemerkenswert gewesen zu sein. Bereits als Fünfzehnjährige trat die junge Pianistin bereits mehrmals im Rahmen der öffentlichen Schülerabende der deutschen Akademie für Musik und darstellende Kunst in Prag auf. Auf Empfehlung Fidelio F. Finkes erhielt sie in den Jahren 1924–1931 ein Stipendium zum Studium an der Deutschen Akademie, wo sie in erster Linie Klavier und Komposition studierte und die entsprechenden Meisterklassen belegte. Förderung erhielt sie auch durch den Musikwissenschaftler und -publizisten Erich Steinhard.

Ihr überragendes Talent zeigte sich in ihrem kompositorischen Werk. Sie war auch als Klavier- und Theorielehrerin tätig und schrieb fundiert in der Fachpresse. Edwin Janetschek hielt 1935 fest: „Die Finke’sche Kompositionsschule hat in den letzten Jahren in der Komponistin Friederike Schwarz ihr stärkstes und fruchtbarstes Talent hervorgebracht. Diese junge Musikerin, die seit etlichen Jahren als Konzertpianistin, Musikpädagogin, Kammermusikerin und Musikkritikerin sehr erfolgreich im Prager deutschen Musikleben wirkt, hat als Tonsetzerin rasch Selbständigkeit und so etwas wie eine persönliche Note erlangt.“ Zu Beginn des Prager Aufstands vom 5.–8. Mai 1945 beendete Friederike Schwarz wohl am 5. Mai selbst ihr Leben. Zu ihrem Tod notierte Heinrich Simbriger: „1945 bei Ausbruch der Revolution verlor sie die Nerven und schied zusammen mit ihrer Schwester durch Gift freiwillig aus dem Leben.“

Der Umfang des kompositorischen Werks von Friederike Schwarz ist nicht bekannt. Nachgewiesen sind bislang Suite für Klavier (1927/28), Perpetuum mobile für Klavier (1929), Konzert für Klavier und Kammerorchester (1929/30), Klaviertrio in einem Satz (1931), Violinsonate (1932, 2. Fassung 1935), Klaviersonate (1933), Quintett für Klarinette und Streichquartett (1933/34) sowie Drei Stücke für Violoncello und Klavier (1934). Neuerdings kann anhand der erst seit kurzem zugänglichen Jahresberichte der Deutschen Akademie für Musik und darstellende Kunst in Prag zusätzlich ein wohl 1928 entstandenes Bläserquintett nachgewiesen werden, das am 11. März 1929 in einem Konzert der Akademie uraufgeführt wurde. Mehrere Werke sind überwiegend mit ihr selbst als Pianistin vom Deutschen Rundfunk in Prag zwischen Mai 1935 und Juni 1938 gesendet worden. Erich Steinhard schrieb damals über die Komponistin und ihre Musik: „Die Kammerwerke, die mit polyphoner Arbeit, unkonventioneller Harmonik und starker Reflektion bestechen, vermitteln das Bild einer gegenwartsbewußten Künstlerin.“

Die nun in einer Erstausgabe im Laurentius-Musikverlag veröffentlichte Violinsonate ist möglicherweise das einzige erhaltene Werk aus dem Œuvre von Friederike Schwarz.

Friederike Schwarz: Sonate für Violine und Klavier (1932, 2. Fassung 1935), herausgegeben im Auftrag des Sudetendeutschen Musikinstituts (Träger: Bezirk Oberpfalz) von Thomas Emmerig. Erstausgabe.

LMV 194. Partitur & Stimme. 24,00 €.